Feb 072014

Jeder, der einmal versucht hat, einen längerfristigen Kredit vorzeitig abzulösen, weiß, wie sehr sich die Banken dagegen sträuben – und dass dieser Wunsch in der Regel teuer bezahlt werden muss. Denn die Banken verlangen eine oft horrende Vorfälligkeitsentschädigung.

Das ist aus Sicht der Bank sogar nachvollziehbar, schließlich hat sie ja mit der Laufzeit des Kredites und dem sich daraus ergebenden Zinsgewinn kalkuliert. Dem trägt auch das Gesetz Rechenschaft, in dem es die Vorfälligkeitsentschädigung ausdrücklich zulässt. Der Kunde hat jedoch, auch wenn er bereit ist, Vorfälligkeitsentschädigung zu zahlen, nur in gesetzlich geregelten Ausnahmefällen (z.B. beim Verkauf einer Immobilie wegen Wechsel der Arbeitsstelle oder Scheidung) einen Anspruch darauf, dass der Darlehensvertrag vorzeitig aufgelöst wird.

Es gibt jedoch oft einen „Trick“: seit 2002 müssen Kreditverträge mit einer Widerrufsbelehrung versehen werden, wenn Verbraucher beteiligt sind. Dafür gab es Muster, die aber erst seit kurzer Zeit Gesetzesrang haben. Diese Muster wurden sehr oft geändert und von vielen Banken dann noch einmal verändert. Schätzungen der Verbraucherzentrale Hamburg zufolge sind ca. 2/3 aller Widerrufsbelehrungen falsch. Ein Blick in die Rechtsprechung in den vergangenen Jahren zeigt, dass die Gerichte – auch der Bundesgerichtshof – schon kleinste Formulierungs- oder Gestaltungsfehler ausreichen lassen.

Grundsätzlich hat der Kunde zwar nur 14 Tage Zeit, seine Willenserklärung zum Vertragsabschluss ( also : „die Unterschrift“) zu widerrufen. Diese Frist läuft jedoch nicht, wenn die Widerrufsbelehrung nicht korrekt war. Dies hat zur Folge, dass solche Verträge grundsätzlich auch heute noch wirksam widerrufen werden können. Wird der Vertrag widerrufen, ist er nicht mehr gültig: der Kunde muss innerhalb von 30 Tagen die noch offene Restschuld an die Bank zahlen – aber eben ohne die Vorfälligkeitsentschädigung.

Freiwillig akzeptieren allerdings die wenigsten Banken diesen Widerruf – mit anwaltlicher Hilfe gelingt es aber oft, den Widerruf durchzusetzen oder zumindest mit einer angedrohten Klage die Vorfälligkeitsentschädigung deutlich zu verringern.

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2 Antworten to “Ausstieg aus Bankkrediten – der Widerrufsbelehrung sei Dank !”

  1. Annerose Striedter sagt:

    wäre ja mal interessant, wie der Widerrufstext genau lauten muss, um widerrufen zu können

  2. …..das kommt darauf an, wann die Widerrufsbelehrung erteilt wurde. Die Muster-InfoVO wurde sieben Mal geändert, bis sie Gesetzesrang erhielt. Und selbst die Musterbelehrung wurde von vielen Gerichten als nicht ausreichend angesehen.

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