Feb 212010

Nicht nur Mandanten werden abgezockt, manche Mandanten versuchen auch Ihr Bestes, sich um Zahlungen zu drücken.

Nur vorab: Aber klar, man kann Ratenzahlungen vereinbaren, mache ich auch sehr häufig, manchmal gibt es auch Fälle, die so eilig sind, dass man – ohne Vorschusszahlung- schnell tätig werden muss. Aber sicher kann man die Zahlungsmodalitäten verhandeln… jeder Kollege macht das…

Allerdings gibt es – wie meine Oma schon so schön sagte- „Verschämte und Unverschämte“. Aus der Kategorie der Letzteren erreichten mich Mails eines Mandanten, die mir die Schuhe auszogen, ob der Dreistigkeit. Es war ein Fall, der mir von einem Kollegen weitergeleitet wurde. Angesichts der Reputation des Kollegen hatte ich keine Bedenken, für diesen Neumandanten am Tag des Fristablaufes auch ohne Vorschusszahlung schon tätig zu werden und hatte schon fast einen außergerichtlichen Vergleich erzielt, der nur noch auf die Bestätigung wartete. Der Mandant, der auch liquide auftrat (daher nachstehend Dagobert Dack genannt), hatte durch meine Arbeit nicht nur einen ziemlich teuren Prozess vermieden, sondern auch rund 20.000 Euro Schadensersatzzahlung erspart. Ich stellte die Vorschussrechnung. Eine Zahlung kam nicht. Auch nicht auf eine Erinnerung hin. Statt dessen erreichte mich nachstehende Mail:

„Sehr geehrte Frau Neubauer,

ich hatte am Donnerstag Termin mit einem Freund, der mir 1.000 Euro schuldet. Ich kenne ihn seit 1985 und hatte bislang nie Anlass, dass er Versprechen nicht haelt.

Am Donnerstag habe ich jedoch kein Geld erhalten und wurde auf Maerz vertroestet.

Nun ist guter Rat teuer. Ich erhalte weiterhin 3.000 Euro aus der Schnulli AG. Das setzt aber voraus, dass diejenigen, die dort zeichnen, tatsaechlich das Geld fliessen lassen. 1.000 waren da fuer Februar versprochen.

(…)

Mit Dank und freundlichen Gruessen,

Dagobert D.“

Ich war erstaunt, dass jemand, der doch vorgab, erfolgreicher Geschäftsmann zu sein, nun bezüglich einer Vorschussrechnung in Höhe von nur(!) 500 Euro so ins Schleudern geriet und seine Zahlungsunfähigkeit mit einem Vertrauensbruch eines Freundes aus einer Zeit begründete, in der die falsche Frisur noch ein Trennungsgrund war.

Ich schrieb ihm zurück, dass ich auf Zahlung der vollen Vorschussrechnung bestand und nein, da gab es auch keine „Ratenzahlung“ – ich hatte das Mandat ja zwischenzeitlich schon fast in trockenen Tüchern!

Was DANN allerdings kam, zog mir die Schuhe aus:

Sehr geehrte Frau Neubauer,

ja, leider ist es mir nicht möglich, die 500 Euro heute zu überweisen. Ich habe aber eine Idee. Ich kann Ihnen den entsprechenden Betrag in Dagobert-Talern zusenden. So verlieren Sie nichts. Beim Dagobert-Taler handelt es sich um ein kaufkräftiges Zahlungsmittel mit Vor- und Nachteilen.

Die Nachteile vorweg:

Es ist kein gesetzliches Zahlungsmittel.

Dagobert-Taler ist verwendbar unter den Dagobert-Talerern, damit beschränkter verwendbar als der Euro.

Diese Nachteile könnten Sie und ich aushebeln, indem ich die gezahlten Dagobert-Taler wieder gegen Euro wechsele. Auf diesem Wege wäre bezahlt, Sie hätten also Sicherheit und ich könnte gleichzeitig ein wenig Zeit gewinnen, um an erforderliche Euro zu gelangen.

(…)

Immerhin sind in Köln ein Taxiunternehmen, ein Cafe (xxxxxxxx), ein Hotel (xxxxxxx) Dagobert-Talerer. In Düsseldorf, Berlin, München, Kleve sind auch weitere Geschäfte dabei. Insgesamt sind es über 800 Teilnehmer. So hätten Sie und ich zumindest eine Interimslösung, die ja nicht verhindert, den Auftrag letztlich in Euro abzuwickeln. Da Dagobert-Taler noch nicht als allgemeines Zahlungsmittel etabliert ist, muß man es sich gewissermaßen leisten können. Wer also zu sehr finanziell unter Druck steht, kann da schlecht mitmachen. Andererseits schafft er zusätzliche Liquidität, Kundenbindung, PR und Umsatzplus.

(…)

Unabhängig davon würde ich mich allerdings sehr freuen, wenn Sie am Dagobert-Taler teilnehmen würden. Es ist in jeder Hinsicht frei von Eurokosten für Sie, schafft aber zusätzliche Liquidität für Sie und hat noch weitere Vorteile.

Die Vorteile für Sie:

Mehr kostenlose Liquidität

Ein eigenes Motiv

Ein recht illustrer Kreis, die Dagobert-Taler Community, die interessante Aufträge verspricht

PR für Ihre Kanzlei

Kundenbindung

Den Spaß, an einem kulturellen Projekt teilzunehmen, das auch beabsichtigt, in einer musealen Ausstellung zu finalisieren.

In diesem Sinne herzliche Grüsse,

Dagobert D.“

Unmittelbar im Anschluss folgte noch eine Mail mit dem Betreff: „Nachtrag“, beinhaltend nicht nur die Anfrage bezüglich Interesse an einem neuen Mandat (eben bezüglich der Dagobert-Taler-Geschichte) sondern auch Einladung zu einer „Be-Part-of-it“-Feier:

„Sehr geehrte Frau Neubauer,

diese Infos moechte ich gerne nachtragen.

1. Dagobert-Taler

Wir haben jedem Dagobert-Talerer 100 Dagobert-Taler geschenkt. Da dies nicht ausreichend ist, haben wir eine Metaebene der besonders zuverlaessigen Dagobert-Talerer eingezogen.

Die sollen und koennen als Sagenhafte Dagobert-Talerer mehr als 100 Dagobert-Taler verantworten.

Dafuer braucht es wohl ein Regelwerk. Und dafuer einen Rechtsanwalt, der das entsprechend ueberpruefen koennte.Vielleicht ein interessantes Thema fuer Sie, ich weiss es nicht.

2. Dagobert-Taler Fest

Wir beabsichtigen ein Dagobert-Taler Fest im Sept oder Nov. (…) werden entsprechend die Gaeste sein. Unabhaengig davon, wie Sie entscheiden, wuerde ich mich freuen, wenn Sie Zeit haetten dazuzustossen. xxx wird die Laudatio halten. xxx Jazz aufspielen, nachts ein DJ oder eine Band unterhalten. xxxxx sorgt fuer Kulinarik.

In diesem Sinne,

Ihr Dagobert D.“

Nun, ich habe inzwischen die vollständige Rechnung gestellt, das Mandat niedergelegt und werde nicht nur eine Arrestvollstreckung vornehmen, sondern auch die StA einschalten. Zumal die bei der Gelegenheit einmal überprüfen sollten, inwieweit es sich mit der Einschaltung der doch phantasievollen neuen „Währung“ nicht um ein unzulässiges Tauschgeschäft i.S.e. Umsatzsteuerbetruges handelt.

…oder doch vielleicht Betreuungsantrag…?

Ich werde mir jedenfalls mein Geld holen. Und nicht in Talern….;-)

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